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Tashi Verlag
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Tibetisches Totenbuch
zur Sterbevorbereitung und Sterbebegleitung
Das
sog. "Tibetische Totenbuch", dessen wirklicher Titel "Die Befreiung
durch Hören im Zwischenzustand" lautet, geht auf den großen indischen
Heiligen Padmasambhava (skrt; tib: Guru Rinpoche) zurück, der
den - damals noch indischen - Buddhismus im achten Jahrhundert
in Tibet verbreitete.
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Die Lektüre dieser Schrift gestattet es Menschen gleich welcher
Religionszugehörigkeit, sich auf das eigene Sterben und die Zeit
danach in einer unvergleichlich effektiven Weise vorzubereiten
[Sterbevorbereitung] sowie anderen Personen bei deren Sterbeprozeß
außerordentlich wirksam zu assistieren [Sterbebegleitung] - vorausgesetzt,
jene wurde sachkundig und in einer angemessenen Terminologie übersetzt
und versieht den kulturfremden und zumeist nicht entsprechend
vorgebildeten Leser/Vorlesenden mit Hintergrundinformationen,
die den schwierigen, oft sehr komplexen Inhalt verständlich machen.
Obwohl die erstmalige Übersetzung des vorliegenden Textes in
den Dreißiger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts ins Englische
ein eklatantes Interesse am Buddhismus tibetischer Prägung im
Westen auslöste, sind ihr eine Vielzahl von Unzulänglichkeiten
anzulasten: Da bis dato kaum tibetische Texte in moderne Sprachen
übersetzt worden waren, fehlte ein Begriffssystem, in das jene
hätten übertragen werden können, vollkommen. Und da zudem sämtliche
Wörterbücher, die zwischen Tibetisch und westlichen Sprachen vermittelten,
allesamt auf einer Version fußten, die im siebzehnten Jahrhundert
von Jesuitenpatern angefertigt worden war, lag es nahe, dieser
ersten Übersetzung eine christianisierende Terminologie zugrundezulegen;
dadurch wurde ihr Inhalt natürlich in einer außerordentlich fragwürdigen
Weise verfremdet.
Neuere Übersetzungen des vorliegenden Textes ins Deutsche rekurrieren
leider auf jene erste Übersetzung, so daß deren Fehler und Unzulänglichkeiten
von Neuauflage zu Neuauflage wietergetragen wurden. So wird etwa
der Begriff Mitgefühl (tib: snying.rje), der im Buddhismus als
der aufrichtig kultivierte Wunsch definiert ist, alle Wesen frei
von sämtlichen Arten des Leides sowie von dessen Ursachen [den
negativen bzw. anderen Wesen schädigenden Handlungen] sehen zu
wollen, in den verschiedenen deutschsprachigen Übersetzungen des
"Tibetischen Totenbuches" als Erbarmen, als Gnade oder gar als
Mitleid übersetzt. Oder der für den Buddhismus überaus zentrale
Begriff der Liebe bzw. liebevollen Freundlichkeit (tib: byams.pa)
wird in den verfügbaren deutschsprachigen Übersetzungen fernab
seiner per Definition festgelegten Bedeutung übersetzt: Was tatsächlich
als der aufrichtig empfundene und permanent kultivierte Wunsch,
daß alle Wesen - einschließlich der eigenen Widersacher, Schädiger
usw. - immer Glück und die Ursache des Glücks erleben mögen definiert
ist, erscheint in den bisher in deutscher Sprache verfügbaren
Übersetzungen als Freundlichkeit, als tugendhafte Handlung oder
gar als Frömmigkeit.
Da sich die Liste der so und ähnlich an den Aussagen des Urtextes
vollkommen vorbeigehenden, sachlich falschen oder zumindestens
weitgehend irreführenden Begriffsübertragungen beliebig fortsetzen
ließe, genügen die drei älteren Übersetzungen des "Tibetischen
Totenbuches" ins Deutsche ihrer eigentlichen Funktion - nämlich
von Siechenden und Sterbenden gelesen bzw. ihnen vorgelesen zu
werden, um so deren Sterbeprozeß zu optimieren - leider kaum,
weshalb die Übertragung dieser Anweisungen zur Sterbevorbereitung/Sterbebegleitung
in die deutsche Sprache im Großen und Ganzen unverständlich bleiben
mußten. So nimmt es nicht weiter wunder, wenn sich grundlegende
Mißverständnisse bezüglich der Kernaussagen des Tibetischen Buddhismus
gerade in deutschsprachigen Ländern überaus hartnäckig am Leben
erhalten, weshalb besonders die deutsche Öffentlichkeit dem spirituellen
Wissen des Tibetischen Buddhismus weiterhin mit großer Reserviertheit
begegnet. Dieser Umstand machte eine wortgetreue, begrifflich
korrekte Übersetzung des "Tibetischen Totenbuches" ins Deutsche,
die zudem Sachverhalte anhand von Zitaten allseits anerkannter
Autoritäten des Tibetischen Buddhismus klärt, die der Erklärung
und weiterführenden Erläuterung für den Laien bedürfen, dringend
erforderlich.
Die von Albrecht Frasch vorgelegte Neu-Übersetzung aus dem Tibetischen
direkt ins Deutsche bemüht sich um größtmögliche Worttreue, wodurch
sich leider zuweilen etwas steif klingende Satzkonstruktionen
nicht ganz vermeiden lassen. Dafür werden dem Leser die Lehren
über das Sterben, wie sie im Tibetischen Buddhismus praktiziert
werden, in einer völlig authentischen Weise - genau so, wie sie
von seinem Verfasser vor beinahe neunhundert Jahren niedergelegt
und seitdem vollkommen unverändert weitergegeben worden sind -
präsentiert. Zur besseren Verständlichkeit wurden der Übersetzung
des Textes Äußerungen aus Veröffentlichungen zum Thema Sterben,
Tod und Wiedergeburt aus der Sicht des Tibetischen Buddhismus,
die von hohen Gelehrten und Meditationsmeistern des Tibetischen
Buddhismus verfaßt wurden, angefügt. Im Fettdruck sind diejenigen
Passagen des "Tibetischen Totenbuches" dargestellt, die Kranken
bzw. Sterbenden wörtlich vorgelesen werden sollen. Mittels all
dieser Maßnahmen ist es dank Albrecht Fraschs Neu-Übersetzung
des "Tibetischen Totenbuches" nicht nur möglich, sich selbst gemäß
den im Tibetischen Buddhismus tradierten Methoden optimal auf
den eigenen Tod vorzubereiten, sondern auch anderen Menschen bei
deren Sterben überaus wirksam Beistand zu leisten. Im Anhang des
Bandes werden zudem ausführliche Empfehlungen zu einer buddhistisch
inspirierten Sterbevorbereitung bzw. Sterbebegleitung aufgeführt
- auch diese von buddhistischen Authoritäten verfaßt. Eine Bibliographie
verläßlicher Literatur zu Sterben und Tod aus der Sicht des Tibetischen
Buddhismus beschließt das Buch.
Die Anweisungen des "Tibetischen Totenbuches" entstammen zwar
der buddhistischen Lehre, sind aber - da sich das Sterben unabhängig
von der Religionszugehörigkeit für alle Menschen gleich gestaltet
- ausdrücklich nicht nur für Buddhisten gedacht! Jedes Lesen dieser
Schrift - ob leise für sich selbst oder laut für andere -
wird nicht nur das Verständnis für die Vorgänge beim Sterben und
im Tod, sondern generell den Einblick, den der Leser aus der Sicht
des Sterbens in die Mysterien des Lebens gewinnen wird, außerordentlich
vertiefen.
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