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Tashi Verlag
für buddhistische Literatur
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rophezeiung
zur Boudha-Stupa |
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Leben,
Sterben und Tod
in der Sicht des
Tibetischen Buddhismus |
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Leben, Sterben und Tod
in der Sicht des Tibetischen Buddhismus
Mit der Abkehr des modernen Individuums von
jeder philosophisch-religiösen Verankerung fordern ,zivilisierte'
Menschen zunehmend ein vermeintliches Anrecht auf ein langes
und gesundes Leben ein, das jedem Wesen zustünde. Obwohl die
Beispiele für die Verfehlung dieses Anspruches zahlreicher
sind als die geforderte Regel, setzen wir Menschen alle Verdrängungsmechanismen
dafür ein, um nur weiterhin ,glauben' zu dürfen, daß die Unvorhersehbarkeit
des Schicksals für uns selbst keine Gültigkeit besäße. Mit
dem unausgesprochenen Anspruch auf Langlebigkeit und Gesundheit
gehen völlig überhöhte und ungerechtfertigte Erwartungen an
eine Medizin einher, die körperliche Erkrankungen bzw. das
natürliche Erlahmen der Körperfunktionen einfach 'reparieren'
soll - als ob es sich beim Menschen an sich lediglich um eine
Biomaschine handelte, deren Organe bis hin zum Herzen man
willkürlich und ohne negative Konsequenzen für die menschliche
Körper-Geist-Einheit austauschen könnte!
Wie materialistisch man aber auch immer eingestellt
sein mag - es läßt sich nicht bestreiten, daß niemand seine
Lebensdauer im voraus kennt und daß dementsprechend auch kein
Mensch wissen kann, wie lange er noch zu leben hat. Wie ausgewogen
man sich auch immer ernähren mag, wie angemessen man sich
auch immer sportlich betätigen mag und wie gründlich man auch
immer medizinische Vorsorge betreiben mag: All dies ist keine
Garantie für Gesundheit und das Erreichen eines hohen Alters.
Leider befassen sich die Naturwissenschaften lediglich mit
den Belangen des Körpers, während sie jede Existenz eines
Geistes entweder rigoros als Entäußerung des Körpers und seiner
Organe [bsp. des Gehirns] abtun oder jene gleich völlig
in den Bereich ungerechtfertigter Spekulation verbannen. Entsprechend
'geistlos' wird denn auch in der Öffentlichkeit die von den
etablierten Wissenschaften proklamierte Meinung bezüglich
der zentralsten aller Thematiken überhaupt - nämlich bezüglich
der Geburt, des Lebens in seiner individuellen Unverwechselbarkeit,
bezüglich des Alterns, Krankheit, Sterben und Tod - diskutiert.
Statt die dem 'Individuum' [wie
der Begriff schon sagt] eigentümliche Veranlagung zum
Gegenstand der Erforschung zu machen - wodurch man sich zwingend
einem Ansatz annähern würde, der im Großen und Ganzen mit
dem vereinbar ist, was hierzulande 'Buddhismus' genannt wird
und tatsächlich nichts anderes ist als 'die Lehre, die erklärt,
wie die Dinge der relativen und der absoluten Ebene der
Wirklichkeit tatsächlich sind' (skrt: Dharma; tib:
chos)
- rücken die so sehr auf Objektivität bedachten etablierten
Wissenschaften lediglich das den meisten untersuchten Individuen
Gemeinsame in den Vordergrund der wissenschaftlichen Untersuchung,
während sie alle den Individuen nicht-gemeinsame Eigenschaften,
Verhaltensdispositionen und andere körperliche wie geistige
Merkmale einfach statistisch ausmitteln und so nicht in ihre
Analysen und Deutungen einfließen lassen. Es ist dieses dem
Individuum keinesfalls gerecht werdende Menschenbild, das
über die anerkannten Bildungseinrichtungen und Medien publik
gemacht wird, wodurch den Menschen seit Jahrzehnten erfolgreich
suggeriert wird, daß ihr maßloser Anspruch gegenüber dem Schicksal
- durch die zeitgemäß areligiöse Grundeinstellung bereits
von vornherein quasi 'entkernt' - zu Recht besteht.
So nimmt es nicht wunder, daß
-
heutzutage Organspende als Pflicht des aufgeschlossenen
Bürgers gilt;
-
daß Frauen das Recht zugebilligt wird, das
Leben in ihrem Uterus töten zu lassen, anstatt es auszutragen
und zur Adoption freizugeben, wenn sie es nicht behalten
möchten;
-
daß in der Öffentlichkeit Suizid als entschuldbar
gilt, solange der Selbstmörder aus scheinbar triftigen
Gründen handelte; und
-
daß sogar aktive Sterbehilfe immer offener
diskutiert und sogar praktiziert wird!
Die letzten Ziele des Lebens stehen dementsprechend
immer eindeutiger unter dem Diktum von Genuß, Schmerzvermeidung
und einem egalisierenden Menschenbild, daß den eigentlichen
Geschehnissen des Lebens immer weniger gerecht zu werden vermag.
In diesem Zusammenhang ist es zu sehen, wenn junge Menschen
immer orientierungsloser in einer zunehmend sinnentleerten
und technokratischen Welt umherirren und auf immer obskurere
Arten ihr scheinbares Recht ausleben, einfach alles probieren
zu dürfen.
-
Wer dennoch erwägt, im plötzlichen Todesfall
einer eventuellen Organspende zu widersprechen [das
Gesetz geht bei nicht nachweislichem Einspruch vom Einverständnis
des Betroffenen und seiner nächsten Angehörigen aus];
-
welche Frau sich dennoch die Frage vorlegt,
ob sie eine Abtreibung vor ihrem Gewissen rechtfertigen
könnte;
-
wer sich selbst oder eine nahestehende Person
in einer humanen und verständnisvollen Weise auf den un-mittelbar
bevorstehenden Tod vorbereiten möchte, auch wenn dadurch
starke existentielle Ängste in einem selbst geweckt werden
können;
-
wer vor der Selbsttötung zurückschreckt,
selbst wenn er sich in einer vollkommen ausweglosen Situation
befindet;
-
wer über den Tod von Partnern und Angehörigen
einfach nicht hinwegkommt; oder
-
wer einfach nur ängstlich oder weitsichtig
genug ist, um sich fundiert auf den eigenen Tod vorbereiten
zu wollen, auch wenn dieser noch in weiter Ferne zu liegen
scheint -
ist nicht nur weder weltfremd noch steht er
nicht auf dem Boden der vermeintlich objektiven 'Tatsachen',
sondern dem gelang es vielmehr, seine außerordentlich gesunden
und subtilen Instinkte gegen einen ständig zunehmenden Meinungsdruck
zu behaupten; diese Menschen bedürfen allerdings einer Lehre,
die nicht nur zu erklären vermag, was unter dem Leben zu verstehen
ist [also wie Körper und Geist zusammenhängen], sondern
die auch Methoden zur Verfügung stellt, die es ihnen erlauben,
am natürlichen Ende ihres Lebens in einer für Körper und Geist
optimalen Weise aus dem Leben zu scheiden.
Das zweifellos tiefste Wissen über
den Zusammenhang zwischen Körper und Geist wird im Buddhismus
tibetischer Prägung bewahrt. Beim Buddhismus handelt es sich
nicht um eine Glaubensreligion; vielmehr stellt er eine seit
zweitausendfünfhundert Jahren ungebrochene Tradition dar,
die es denen, die bereit sind, sich - zumindestens in Grundzügen
- in die sehr umfassende und tiefgründige Lehre vom Geist
einzuarbeiten, gestattet, mittels bestimmter außerordentlich
kraftvoller Methoden das eigene Schicksal sogar über den Tod
hinaus zu beeinflussen. Deshalb ist es unerläßlich, Menschen,
die sich bei der Vorbereitung auf das eigene Sterben den Methoden
des Tibetischen Buddhismus anvertrauen wollen, zunächst in
aller Kürze mit der essentiellsten Aussage der buddhistischen
Sichtweise von Sterben, Tod und Wiedergeburt bekannt zu machen.
Aus diesem Grund sei im folgenden ein kurzer philosophischer
Exkurs präsentiert, der schon deshalb unverzichtbar ist, weil
jede Sterbevorbereitung bzw. Sterbebegleitung buddhistischer
Ausrichtung sowohl den Geist der sterbenden Person als auch
die Auffassungsgabe derer, die jenen in ihrem Sterben assistieren
wollen, zum Medium macht.
Gemäß der Tradition des Tibetischen Buddhismus
ist die individuelle [d.h. die persönliche, mit
einem <Ich> identifizierte] psychische Existenz
unwiderruflich beendet, wenn der Körper stirbt! Die Vorstellung
einer 'individuellen Wiedergeburt', wie sie von manchen obskuren
esoterischen Schulen vertreten wird [das, was wiedergeboren
werde, sei die individuelle Existenz des vorangegangenen
Lebens], mag zwar tröstlich sein - nichtsdestotrotz ist
sie vollkommen irreführend, abwegig und falsch! Es ist vielmehr
die unpersönliche Instanz in jedem Wesen, die auch zu Lebzeiten
sämtliche Ereignisse, Gedanken und Gefühle erfährt - man könnte
sie 'Geist' oder die Fähigkeit, bewußt zu sein, nennen - die
nach den Erkenntnissen des Tibetischen Buddhismus auch im
Sterben, im Tod und im Verlauf zukünftiger Existenzen nicht
aufhört zu existieren.
Während die individuelle Psyche,
die Seele oder die Persönlichkeit [also eben das, womit
die Menschen sich als ihr <Ich> identifizieren]
im Verlauf verschiedener nacheinander erfolgender Auflösungsprozesse
im Sterben und im Tod dermas-sen viele und weitreichende Transformationen
erfährt, daß sie im nächsten Leben mit der Psyche der vorangegangenen
Existenz nicht mehr identisch ist, bleibt die unpersönliche
Instanz des eigenen Geistes bzw. seine 'Funktion', die 'karmisch'
[d.h. in kausaler Abhängigkeit von den Taten unmittelbarer
Vorleben] zwingend an zentrale Ereignisse sowie an die
jene begleitenden Gedanken und Empfindungen gebunden ist,
bestehen: Was wiedergeboren wird, ist dementsprechend lediglich
die Disposition, im bevorstehenden Leben bestimmten Erfahrungen
ausgesetzt zu werden und diese dann in einer bestimmten Weise
zu deuten und zu erleben, nicht aber der individuelle Erlebniskern,
der in der kommenden Existenz diese Erfahrungen machen wird!
Wer unvorbereitet stirbt, kann die weitere Entwicklung
nicht beeinflussen, die sein 'Bewußtseinsprinzip' [in der
buddhistischen Erkenntnistheorie 'Kontinuum' genannt,
um damit kenntlich zu machen, daß der Geist aus
einer ununterbrochenen Abfolge einzelner Bewußtseinsmomente
besteht, die nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip miteinander
verbunden sind, so daß der jeweils vorhergehende Bewußtseinsmoment
die Ursache für den jeweils darauffolgenden Bewußtseinsmoment
bildet; ohne Geist bzw. Bewußtsein würde der Körper
im Koma liegen] nehmen wird. Wessen unpersönliches Bewußtseinsprinzip
dementsprechend blind durch das Roulette der Wiederverkörperungen
stürzt [auch wenn das eigene <Ich> nicht
mehr mit dem Individuum identifiziert ist, das die
ursächlichen Handlungen für die Ereignisse begangen hat,
die es in Folge-Existenzen erfahren muß], kann weder
steuern, wiederum in einer menschliche Existenz - allerdings
mit Anlagen zu einer 'neuen' Persönlichkeit ausgestattet -
noch in einer glücklichen Existenz wiederverkörpert zu werden.
Die Lehren des Tibetischen Buddhismus
ermöglichen es, nahestehende Personen auf ihr Sterben und
die Zeit danach vorzubereiten. Da natürlich auch die eigene
Existenz zeitlich begrenzt ist, ist es darüberhinaus nur klug
und weitsichtig, sich auf das Sterben vorzubereiten, solange
man noch jung und in guter körperlicher wie geistiger Verfassung
ist. Die Vorbereitung auf das eigene Sterben ist selbstredend
umso effektiver, je früher man damit beginnt! Doch auch denjenigen,
die wissen, daß sie nicht mehr lange zu leben haben, verhilft
eine buddhistisch orientierte Sterbevorbereitung dazu, den
Rest ihres Lebens so sinnvoll wie möglich zu nutzen und ihr
Sterben in einer sehr positiven Weise zu beeinflussen. Darüberhinaus
gestatten es die buddhistischen Lehren, vertrauten Menschen
beim Vorgang des Sterbens überaus effektiv zu assistieren,
auch wenn jene sich nicht auf diesen Vorgang vorbereitet konnten.
Eine Sterbevorbereitung bzw. Sterbebegleitung,
die im Einklang mit den Lehren des Tibetischen Buddhismus
steht, geht also weit über das hinaus, was heutzutage unter
'Sterbebe-glei-tung' verstanden wird, die 'lediglich' ein
sanftes Entschlafen, ohne währenddessen von Angst überwältigt
zu werden, zum Ziel hat.
Das Wissen über Sterben und Tod, wie es im Tibetischen
Buddhismus bewahrt wird, wird traditionellerweise durch eine
Schrift vermittelt, die den Titel 'Die Befreiung durch Hören
im Zwischenzustand' trägt. Die bislang verfügbaren Übersetzungen
dieses sog. 'Tibetischen Totenbuches' ins Deutsche genügen
dem eigentlichen Zweck dieses Textes, als Vorbereitung auf
das eigene Sterben zu dienen und nahestehenden Personen bei
ihrem Sterben zu assistieren, indem man ihnen diesen Text
wiederholt wörtlich vorliest, leider nicht im Geringsten.
Dies ist deshalb außerordentlich bedauerlich, weil so sehr
viele Menschen, die den Wunsch haben, mit den Hilfestellungen
des Tibetischen Buddhismus zu sterben, ohne entsprechende
spirituelle Unterstützung sterben müssen.
Da ich in meiner eigenen Wissenschaft
- der Psychologie - keine Antworten auf die Frage finden konnte,
was den innersten Kern der menschlichen Existenz ausmacht
und demzufolge die Entität darstellt, die geboren wird, die
Wechselfälle des Lebens erfährt und schließlich stirbt, wandte
ich mich dem Buddhismus zu und studierte ein Jahrzehnt lang
die tibetische Schriftsprache sowie die Philosophie und die
Psychologie des Tibetischen Buddhismus an zwei Instituten
in Nepal und Indien. Zudem hatte ich das außerordentliche
Glück, von den höchsten Meditationsmeistern des Tibetischen
Buddhismus umfangreiche und z.T. sehr hohe Belehrungen über
das Wesen des Geistes und den Zusammenhang zwischen Körper
und Geist zu erhalten. Deshalb gelang es mir schließlich,
das sog. 'Tibetische Totenbuch' in seiner tatsächlichen Bedeutung
wörtlich aus dem Tibetischen ins Deutsche zu übersetzen. Ich
habe zahlreiche Erläuterungen und Ergänzungen hoher tibetischer
Gelehrter und Meditationsmeister zum Thema Sterben und Tod
in diese Übersetzung integriert, die das Verständnis dieser
sehr vielschichtigen und komplexen Thematik außerordentlich
erleichtern und vertiefen.
-
Wenn Sie mehr über Sterben und Tod wissen
wollen, als in unserer Kultur vermittelt wird,
-
wenn Sie sich effektiv auf das eigene Sterben
vorbereiten wollen, oder
-
wenn Sie lernen wollen, wie man nahestehenden
Personen bei deren Sterben tatsächlich assistieren kann
dann informieren Sie sich in der ersten authentischen
Übersetzung des ,Tibetischen Totenbuches' in die deutsche
Sprache über die Sterbevorbereitung bzw. Sterbebegleitung
in der Tradition des Tibetischen Buddhismus.
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